Hunde richtig motivieren

Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass die Hunde nichts uns zuliebe machen. In erster Linie geht es ihnen um ihr eigenes Wohl. Denn so ist es von der Natur eingerichtet. Und da ist es sehr unbedeutend, was wir Menschen gerne hätten. Dass man dennoch zu einem ganz tollen Miteinander mit dem Hund kommen kann, werde ich im Laufe des Artikels zeigen. 

Wenn wir etwas von unserem Hund wollen, müssen wir ihn also motivieren. Wir unterscheiden zwei Arten an Motivation, nämlich die intrinsische und die extrinsische Motivation. Die intrinsische Motivation kommt von innen. Da macht man etwas einfach weil es Spaß macht. Die extrinsische Motivation kommt von außen. Hier macht man etwas, weil man sich einen Vorteil verspricht. Das ist zunächst einmal die Motivation, die wir im Training unserer Hunde einsetzen.

Bevor ich jetzt hier großartig mit Trainingsfachbegriffen um mich werfe, möchte ich Ihnen die Prinzipien lieber an Beispielen aus der eigenen Erfahrung deutlich machen. Erinnern Sie sich an die Schulzeit. Wer hat gerne Hausaufgaben gemacht? Die meisten von uns denken selbst Jahre danach noch an diese unangenehme Pflicht. Dennoch haben wir sie – mehr oder weniger – gemacht. Der Grund dafür ist entweder, dass man Angst vor der Strafe hat, wenn man ohne Hausaufgaben dasteht oder dass man Ärger vermeiden will. Beides sind Motivationen. Aber sie haben den großen Nachteil, dass uns die Hausaufgaben damit so richtig vermiest wurden. Leider gibt es da nur wenige Ausnahmen.

So funktioniert noch ein großer Teil des Hundetrainings. (Mal nebenbei erwähnt haben sich auch die Schulen noch kaum geändert, aber wir befassen uns ja hier mit Hundetraining.) Wollen Sie, dass Ihr Hund mit derselben Einstellung mit Ihnen mitarbeitet, wie Sie früher die Hausaufgaben erledigt haben? Für mich kann ich sagen, dass ich das nicht möchte. Ich möchte, das meine Tiere gerne mit mehr mitarbeiten; dass sie sich auf die nächste Trainingseinheit freuen und diese kaum erwarten können.
Das können wir erreichen, indem der Hund etwas für ihn Tolles bekommt, wenn er gut mitarbeitet. Das kann Futter sein, aber auch ein schönes Spiel oder viele andere Dinge, auf die wir weiter unten noch zu sprechen kommen. Oft kommt dann das Argument: Ja aber der Hund muss doch gehorchen. Das geht doch ohne Zwang nicht.

Aus jahrelanger Erfahrung kann ich Ihnen versichern, dass es ohne Zwang viel besser geht. Fragen Sie sich doch einfach wieder selber: Wo sind Sie bereit mehr Leistung zu geben? Bei etwas, was Sie tun müssen oder bei einer Sache, die Sie gerne tun? Auch wenn ich wieder nur für mich sprechen kann, dürften wir da ziemlich einer Meinung sein, oder?

Das Problem ist nur, dass wir dieses Prinzip der Motivation kaum kennen. In unserer Gesellschaft ist Zwang immer noch die überwiegend angewendete Motivation, sei es in der Schule, im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz oder in vielen anderen Bereichen. Man muss sich also wirklich auf diese andere Art der Motivation einlassen wollen. Geht man diesen mutigen Schritt ins Neue wird man reich belohnt. Der Hund macht auf einmal gerne mit. Er freut sich aufs Training und ist mit Eifer bei der Sache.

Nun gibt es aber Hunde, die wenig mit Futter oder Spielzeug zu begeistern sind. Das hat oft zwei große Ursachen: Entweder sind die Hunde in der Trainingssituation gestresst oder sie werden im Alltag zu sehr verwöhnt, so dass sie schon alles haben. Beides kann man aber abstellen und sollte es auch tun. Denn beides sind keine Gründe, weshalb man den Hund zum Training zwingen sollte. In manchen Fällen hilft es, wenn man die Tageszeiten abpasst, in denen der Hund lieber mitmacht. Auch ganz kurze Trainingseinheiten helfen für den Einstieg.
Ein wichtiger Punkt sind die vielen Belohnungen im Alltag, die den meisten Hundehaltern ganz unbewusst sind. Alles, was der Hund gerne macht, ist eine Belohnung für das Verhalten, was er unmittelbar davor zeigt. Es ist also möglich, den Hund den ganzen Tag über zu belohnen, ohne ein einziges Leckerchen zu verwenden, wenn man sich diese Tatsache bewusst macht. Erstellen Sie doch einfach mal eine Liste, von dem, was ihr Hund liebt.

Beispiele: die Haustür geht auf, die Leine wird abgemacht, er darf an der Hecke schnüffeln und viele mehr. Stellen Sie sich jetzt einen Hund vor, der in die Leine springt und bellt, weil er seinen Kumpel in der Ferne sieht. Sie machen die Leine ab, damit die beiden spielen können. Welches Verhalten haben Sie damit belohnt? Genau: Das Bellen und In-die-Leine-Springen. Versteht man diese Zusammenhänge lassen sich schon viele Missverständnisse im Zusammenleben mit Hunden vermeiden.

Das Ziel ist die intrinsische Motivation. Mit dem richtigen Training und wenn man selber seine handwerklichen Trainingsfähigkeiten ausbildet, dann kann man erreichen, dass der Spaß am Training wirklich von innen kommt. Hunde lernen gerne und sie lernen schnell. „Stehe dem Verhalten des Tieres nicht im Weg“, ist ein Rat von Bob Bailey an die Trainer.
In der Regel machen Anfängertrainer zu große Trainingsschritte, so dass die Hunde kaum verstehen können, was von ihnen erwartet wird, was nicht sehr motivierend ist. Fortgeschrittene Trainer machen dann wieder zu langsam im Training, was auch nicht förderlich für die Motivation ist. Hunde lernen viel schneller als wir denken.

Training ist ein Handwerk und je besser wir darin werden, um so einfacher wird es auch, den Hund richtig zu motivieren. Es lohnt sich also, wenn wir uns im Trainingshandwerk immer weiter verbessern. Die größte Belohnung ist dann ein Hund, der mit Feuereifer bei der Sache ist.

 

Quelle: http://www.easy-dogs.net/home/blog/training/gastautor/viviane_theby/hunde_motivieren_theby.html