Gewitterangst

Genetische Veranlagung

Angst vor plötzlichen, lauten Geräuschen, wie Donner, Schüssen oder Feuerwerk ist bei Hunden weit verbreitet, weil es aus biologischer Sinn macht, vor Gewitter Angst zu haben. Tiere, die sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, weil sie Gewitterangst haben, überleben eher, als solche, die sich in Gefahr begeben. Diese Veranlagung geben sie an ihre Nachkommen weiter. Die Angst vor lauten Geräuschen muss also nicht erlernt werden. Hunde haben sie mehr oder weniger stark ausgeprägt im genetischen Programm.
Erst in der Jugendentwicklung erkennbar

Viele Ängste zeigen sich erst während der Jugendentwicklung. Auch das hat einen biologischen Hintergrund. Welpen sind kaum gefährlichen Situationen/Reizen ausgesetzt, weil ihre Eltern (und Züchter) sie natürlich beschützen. Wenn sie beginnen, ihre Umwelt selbstständig zu erkunden, können sie dabei auf diverse Gefahrenquellen stoßen. Da macht es Sinn, vor Unbekanntem erst einmal Angst zu haben.
Nicht immer ist Angst sichtbar

Die Emotion Angst wird ausgelöst, wenn ein Teil des Gehirns, der Mandelkern, „Alarm schlägt“, weil er einen Umweltreiz als Bedrohung eingestuft hat. Durch diesen Alarm werden bestimmte Hormone und Botenstoffe ausgeschüttet, die den Körper auf eine Reaktion vorbereiten. Nicht immer können Sie diesen Alarmzustand am Verhalten des Hundes erkennen. Stellen Sie sich das wie einen Bereitschaftsdienst bei der Polizei vor: Der Polizei-Chef befürchtet, dass es auf der großen Demonstration möglicherweise zu Schlägereien kommt. Damit er bei Bedarf schnell reagieren kann, sind viel mehr Polizisten auf Bereitschaftsdienst als normalerweise. Sie als Passant sehen von diesen Vorbereitungen im Hintergrund aber nichts, bis die Streifenwagen losrasen. Auch beim Hund können Sie nicht erkennen, wie viele Stresshormone der Körper schon ausgeschüttet hat.
Verschlimmernde Faktoren

Gewitterangst kann durch andere Stressoren verschlimmert werden. Wenn Ihr Hund beispielsweise krank ist, Schmerzen hat, andere Angstauslöser gleichzeitig anwesend sind , wichtige Bezugspersonen abwesend sind oder der Hund unter chronischem Stress leidet. Auch die Dauer des Gewitters spielt eine Rolle.
Angstbewältigung
Vorbeugen und Gegenkonditionieren

Verknüpfen Sie schon in der Welpenzeit alle möglichen Geräusche, besonders natürlich laute, plötzlich auftretende, mit für den Welpen angenehmen Dingen, wie Leckerchen, Kauspielzeug, Massage, Entspannung.

Bauen Sie eine „Sicherheitszone“ auf.

Hat Ihr Hund bereits Gewitterangst, verknüpfen Sie die angenehmen Dinge und Sicherheitszone zunächst mit verschiedenen anderen Geräuschen. Nach und nach nehmen Sie dann Geräusche, die dem Gewitter, Feuerwerkskörper, etc. immer ähnlicher werden.
Anwesenheit der Bezugspersonen

Richten Sie es so ein, dass bei vorhersehbaren Ereignissen wie Silvester oder Gewittervorhersagen immer jemand beim Hund ist, der dem Hund Sicherheit geben und für weitere positive Verknüpfungen mit den Angstauslösern sorgen kann.
Entspannung

Entspannung ist der Gegenspieler von Angst. Alles, was den Hund entspannt, hilft ihm gegen seine Gewitterangst. Machen Sie mit Ihrem Hund Entspannungstraining, ziehen Sie ihm ein Thundershirt an, arbeiten Sie mit Aromatherapie, setzen Sie DAP ein. Es gibt auch Nahrungsmittelzusätze und Medikamente, die Ihrem ängstlichen Hund helfen können. Fragen Sie dazu am Besten Ihren Tierarzt, aber achten Sie darauf, dass er Ihnen kein Medikament mit dem Wirkstoff Acepromazin gibt – das entspannt zwar die Muskeln, aber Ihr Hund bekommt weiterhin alles mit.
Problemlösungsstrategien lernen

Üben Sie mit dem Hund bestimmte Strategien ein, die ihm helfen, mit seiner Angst notfalls auch alleine klar zu kommen. Richten Sie ihm beispielsweise eine „Sicherheitszone“ (Hundebox, Körbchen in einer dunklen Ecke, ein bestimmter Schrank) ein. Der Hund soll diesen Ort mit Entspannung (konditionierte Entspannung, Entspannungsduft, Massage, etc.) und Wohlgefühl (Kauspielzeug, besondere Leckerchen, etc.) verknüpfen.
Spielen

Spielen ist ein großartiger „Gegner“ für Angst, allerdings muss der Hund das Spiel wirklich sehr großartig finden und der Angstauslöser im Vergleich dazu recht schwach sein. Sonst wird die Angst das Spielen hemmen.
Beschäftigen

Vielen Hunden hilft es auch, eine Aufgabe zu haben, zum Beispiel etwas zu kauen oder auszuschlecken. Aber auch hierbei spielt das Verhältnis von „Großartigkeit“ zur Stärke des Angstauslösers eine Rolle. Geben Sie dem Hund seine Aufgabe, bevor Sie Angstverhalten erkennen können!

Quelle: http://markertraining.de/gewitterangst/